Autowandel Freilandtheater

Über Tonaufnahmen

von Rolf Kindler

Eine Menge Tonaufnahmen mussten für „Abgefahren“ produziert werden, damit wir das „Radio Endstation“ und die Radio-Anrufer einspielen konnten. Den Radiosprecher haben wir direkt aufgenommen. Für die anderen Stimmen wurden Schauspieler aus der ganzen Republik engagiert. Sie bekamen ihre Regie und sprachen den Text übers Telefon, während das Aufnahmegerät lief.

Dabei ging einiges schief, mal war der Empfang nicht gut, etwas rauschte oder brummte, jemand hustete oder der Drehstuhl knarzte… am Ende jeder Aufnahme gab es eine Unmenge Takes und die Qual der Wahl. Zu entscheiden, welche Variante der Sätze in den endgültigen Einspieler sollte, war nicht leicht. Das Publikum hört nur die Stimmen. Wie viel Ausdruck muss man hineinlegen, damit ein Charakter deutlich wird? Ab wann wird er zur Karikatur?

Hören Sie die böse Lara (Romina Bursy)

Sprecherin Lara

Alles wirkungsvoll, aber wir haben weder die laszive Lara genommen noch die lachende Hexe. Am Ende hören Sie zwei Varianten von „Gut!“. Das ist Laras Kommentar zu Udos Tod. Da haben wir die schlichte Variante gewählt. Lara, fanden wir, ist zwar kalt, aber nicht sadistisch.

Beim brutalen Taxifahrer von Wagen 14 (Rainer Maria Hertwig), haben wir erst gedacht, er müsse überzeugend den Harmlosen spielen, legten dann aber immer noch eine Schippe Bosheit drauf...

Sprecher Rainer Maria Hertwig

Den Ausdruck auf Zuruf zu ändern, ist Schauspielhandwerk. Hören Sie, wie mühelos eine Berufsschauspielerin (Janka Brütting) einen Unterton in ihren Text bringen kann, selbst wenn der Regisseur die Anweisung stammelt...

Sprecherin Janka Brütting

Und manchmal sind die Regieideen einfach Quatsch. Im Beispieltake isst der Moderator (Levent Özdil) einen Keks beim Sprechen. Nein, es war Brot vom Vortag! Wir dachten, das wirkt realistischer…

Sprecher Levent Özdil

Ich habe bei den Takes meist den Gesprächspartner eingelesen, weil dann ein natürlicher Gesprächsfluss zustande kommt. Gut war ich dabei nicht, aber das macht einem Schauspieler nichts aus...

Regisseur Rolf Kindler

Was auch immer sich der Regisseur so ausdenken mag. Es sind doch die Schauspieler, die sich mit ihren Rollen am meisten beschäftigen, und sie mit Leben füllen. Hier noch mal Levent Özdil, der eine abgedroschene Phrase einfach mal als Moderator spricht...

Doch manchmal ist es der Zufall, der hilft. Der Hund, der in der Aufnahme von Olaf (Sven Tjaben) und seiner Mutter (Naemi Schmid-Lauber) so aufgeregt bellt, ist echt. Es ist der Familienhund, dem es wohl nicht passte, dass seine Besitzer so aufgeregt stritten. Ihn haben wir natürlich drin gelassen. Das passte zu gut. Das Jaulen nach den Schüssen stammt aber nicht von ihm, keine Sorge. Das ist Tonkonserve. Kein Tier kam für unser Stück zu Schaden...

Sprecher Sven Tjaben und Naemi Schmidt-Lauber

Nach dem Jaulen haben wir den Hund extra noch zweimal bellen lassen, damit man weiß, dass ihm nichts passiert ist.

Und hier noch einer, der im Spiel untergeht, weil gleichzeitig die Darsteller des Udo sehr laut und aufgeregt sprechen müssen. Der Text im Buch endete nach den Worten „und mich gefragt hast“ mit Punkt, Punkt, Punkt. Aber da ich Levent gesagt hatte, dass er ruhig weitersprechen soll, hat er improvisiert. Über Suppe. Folgendes Schönes kam dabei heraus...